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Das Lothringer Doppelkreuz



Artikel: Nikolaus Philippi (Abschrift mit Genehmigung des Autors)


Auf Grenzsteinen, die ehemals Lothringen begrenzten, findet sich das "Lothringer Doppelkreuz". Was hat es mit diesem Zeichen auf sich, wie ist es entstanden oder woher kommt es? Fragen, auf die hier eine Antwort gegeben werden soll.


Das lothringische Doppelkreuz wird vielfach für ein französisches Symbol gehalten. Das ist jedoch ein großer Irrtum. Vielleicht beruht es darauf, dass Lothringen heute zu Frankreich gehört. Das war jedoch nicht immer so. Geschichtskennern ist natürlich bekannt, dass die europäische Landkarte nicht immer so aussah wie heute. Wollen wir daher zunächst in die entsprechende Geschichte eingehen und sehen, wie es die Reichsfürsten, die über das untergegangene deutsche Herzogtum Lothringen herrschten, ererbten und zum Sinnbild des Landes erhoben wurde.


Das Zeichen eines doppelten Kreuzes erscheint zuerst in dem Wappen des Königreichs Ungarn unter Andreas II. (1205-1235), dem Vater der "heiligen Elisabeth" von Thüringen. Dieser König hatte im Jahre 1217 an einem Kreuzzug teilgenommen. Er nahm daher das Bildnis eines Doppelkreuzes in seinen Schild auf. Sein Nachfolger Bela IV. (1235--1270) übernahm es, weitere Nachfolger ebenfalls.

Die Witwe des letzten Arpaten, Andreas III., siegelte als Königin Agnes von Ungarn 1326 eine Urkunde ihres Schwagers, des lothringischen Herzogs Friedrich IV., mit dem Doppelkreuz.


Als sie am 12. Mai 1364 in dem von ihr gegründeten Kloster Königsfelden starb und dort beigesetzt wurde, schmückte man ihren Sarg mit diesem ungarischen Doppelkreuz. In einem Langhaus desselben Klosters ist die bereits genannte Elisabeth von Thüringen, eine Tochter Ungarns, dargestellt, wie sie mit der Hand das Doppelkreuz umfasst.


Nach dem Tode Andreas III. wurde im Jahr 1308 Robert von Neapel-Anjou, der von den Arpaden abstammte, auf den ungarischen Königsthron erwählt. Alle folgenden Anjous behielten als Könige von Ungarn das Doppelkreuz als altes Wappenzeichen der Arpaden bei.


Als Kaiser Franz Josef am 10. Oktober 1915 das neue Wappen der österreichisch-ungarischen Monarchie festlegte, fand das Doppelkreuz ebenfalls Berücksichtigung.


Nach soviel - schwierigen - geschichtlichen Grundätzlichkeiten nun wieder zurück zu der Frage, wie das Doppelkreuz nach Lothringen kam. Herzog Renatus I. (1430 - 1453) stammte ebenfalls aus dem Hause Neapel-Anjous. Renatus war der zweite Sohn des Herzogs Ludwig II. von Anjous und Provence und der Jolantha von Bar. Er wurde von seinem Großonkel Ludwig von Bar zum Erben des Herzogtums Bar eingesetzt. Um die dauernden Kämpfe zwischen beiden Herzogtümern zu beenden, heiratete (oder wurde verheiratet) der zehnjährige Renatus im Jahre 1419 die Prinzessin Isabella von Lothringen, der ihr Vater, Herzog Karl II., die Erbfolge in Lothringen zugesichert hatte.


Renatus übernahm auch das ehemals ungarische Doppelkreuz, jedoch nicht als Wappen, sondern mehr oder weniger als Erkennungszeichen. Renatus II. (1473 - 1508) war es auch, der das Doppelkreuz als lothringisches Feldzeichen auf die Fahnen seiner Soldaten anbringen ließ. Seitdem kommt das Doppelkreuz öfters in verschiedenen Bereichen vor; sei es auf Münzen, Siegeln, Denkmälern oder Grenzsteinen ehemaliger lothringischer Gebiete. Es wurde ein Zeichen, das nicht mehr auf Ungarn, sondern auf Lothringen hinwies.

Die Herkunft des "Lothringer Doppelkreuzes" - auch auf Grenzsteinen - ist damit geklärt.


Die Wege, die das Wahrzeichen Lothringens über Länder und Dynastien hinweg, von Ungarn über Neapel bis nach dem einstigen Lothringen hin, zurücklegte, waren abwechslungsreich und verschlungen und zeigen die Urheimat dieses Zeichens auf.


Vom ersten Auftreten hat dieses Doppelkreuz als Herrschaftszeichen nun rund 800 Jahre erlebt. Dank dafür gebührt nicht zuletzt dem Hause Anjou.


***

Artikel von Nikolaus Philippi mit freundlicher Genehmigung




DENKMALSCHUTZ  projekt HISTORISCHE GRENZE

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