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Lapidarien als Öffentlichkeitsarbeit

Aktualisiert: 11. Aug 2020


Der breiten Öffentlichkeit die Geschichte nahe bringen ist eines der Hauptanliegen von HISTORISCHE GRENZE. Auch wenn das Wegnehmen von historischen Grenzsteinen von ihrem Setzungsort grundsätzlich nicht zu befürworten ist, so kann es im Einzelfall durchaus sinnvoll sein, um dem Informationsgedanken Rechnung zu tragen. Die Menschen werden im Regelfall nicht die Zeit haben sich wochenlang mit der Geschichte und den möglichen Standorten von Grenzsteinen auseinander zu setzen. Sie wollen diese sehen und die Informationen gut verpackt präsentiert bekommen.


Ein Lapidarium, wie auf dem Bild zu sehen, das nur das bloße Zusammentragen von übrig gebliebenen Steinen darstellt, bzw. Steine ohne Plan entfernt und dorthin gebracht worden sind, ist als geschichtsschädigend abzulehnen. Ohne jegliche Dokumentation geht die Möglichkeit der Forschung und Rekonstruktion von historischen Grenzsteinlinien verloren.


Wie sollte ein Lapidarium aussehen?


Die dorthin gebrachten Grenzsteine sollten in einer Vorauswahl unter Berücksichtung mehrerer Gesichtspunkte bestimmt werden.


  1. Sind denkmalschutzrechtliche Fragen zu beachten? (Besteht Denkmalschutz? Erlaubnis!)

  2. Sind eigentumsrechtliche Fragen zu beachten? (Wem gehört der Grenzstein? Erlaubnis!)

  3. Sind vermessungstechnische Fragen zu beachten? (Ist der Stein gewidmet? Erlaubnis!)

  4. Kann der historische Stein entnommen werden ohne dass die Grenzlinie ihre Nachvollziehbarkeit verliert?

  5. Welche Geschichte/ Archivalienlage begleitet den Grenzstein? (Diese sollte dokumentiert und am Lapidarium veröffentlicht werden)

  6. Das genaue Festhalten von Position und Ausrichtung des Grenzsteins, um die Grenzlinie auch dann nachvollziehen zu können, wenn der Stein entfernt worden ist. Die Ausrichtung gibt i.d.R. die Position des Folgesteins wieder, die Position ist mit Geodaten festzuhalten.


Sind diese Punkte beachtet, dann kann ein Lapidarium seine Wirkung auf die Menschen entfalten, ohne einen Schaden für die geschichtliche Forschung entstehen zu lassen.


Warum sind die Grenzsteine am Setzungsort so wichtig?


In alter Zeit gab es kein GPS oder moderne Vermessungstechnik, die Karten waren ungenau. Karten früherer Zeit richteten sich nicht nach einem Maßstab aus, sondern nach Merkmalen in der Landschaft, also z.B. Ortschaften oder Bächen und Flüssen. Aus diesen kann man genaue Grenzsteinpositionen nicht ermitteln.

Die Grenzbeschreibungen hingegen wurden durch Beschreibung des Weges der Grenze vorgenommen.


►Auszug aus dem Setzungsprotokoll der hohenzollerschen Marksteine

(transkribiert von K.-H. Seyerlein)


"(...) Hievon ferner an dem Haard Holz hinauf 193 Ruthen weit sezte man noch diesseits der von Oberdachstetten nach Markt Bergel gehenden Straße, worüber der sogenannte große

Weyher gelegen, den 44. Stein an Hanns Deyers zu Anfelden eigener Wiesen den großen Weyher gegen Anfelden hinüber 27 Ruthen weit zu einem Anfelder Unter Markstein und sofort rechts über dem großen Weyher hinauf 77 ½ Ruthen weit, zu einem abermahligen Anfelder Unter Markstein an dem Markt Bergler GemeindHolz und hiervon wiederum links 17 Ruthen weit und sofort nochmahl rechts 29 Ruthen (104m) weit, ist zwischen berührten Bergler Holz und der Anfelder Huth der 45. Stein gesezet worden ist. (...)"


Alte Maße, wie hier die "Ruthe", alte Grundstücksinhaber und eine nicht immer gut nachzuvollziehende Sprache lassen nicht immer zu aus diesen historischen Protokollen auch die genauen Setzungsorte von historischen Grenzsteinen nachzuvollziehen. So bleiben oft nur die Grenzsteine vor Ort als einzige belastbare Zeugen.


Resumée


Es sollte allen Menschen, denen am Schutz unserer Denkmäler und der Bewahrung unserer Geschichte gelegen ist ein Bedürfnis sein, dass von der bisherigen Praxis bei der Einrichtung von Lapidarien Abstand genommen wird. Sie können ihren Zweck als Steinsammlungen erfüllen, zerstören damit aber unsere Geschichte und auch einen Teil unserer Heimat. Gehen wir den hier beschriebenen Weg, dann ist das etwas anspruchsvoller, aber in seiner Wirkung für die Geschichtsforschung und die Menschen, die sie erreichen soll, wesentlich gewinnbringender.

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