[BO-BC-1753] ...und da haben wir unsere Rätsel


BILD: Auszug aus der Karte "Karte vom Fürstenthum Anspach oder Onolzbach oder

Burggrafthum Unterhalb Des Gebürges (Principatus Onoldinus), 1792.


Im Bereich Münchzell/ Gde Dietenhofen (Kreis in der Karte) haben wir bei einer Grenzsteinsuche zwei Hoheitssteine gefunden, die die Buchstaben "B" und "O" tragen. Eine Nummerierung besitzen sie nicht. Die Buchstaben sind erhaben auf dem Stein zu sehen.

BILD: Grenzstein bei Münchzell im Wald am Weg nach Seubersdorf


An diesen Steinen steht "B" für Bayreuth und "O" für Onolzbach. Genau hier beginnen die Rätsel.


Markgraf Christian von Brandenburg-Kulmbach verlegte im Jahr 1604, einem Jahr nach seiner Machtübernahme, den Regierungssitz von der Kulmbacher Plassenburg nach Bayreuth und benannte seinen Herrschaftsbereich in Markgrafentum Brandenburg-Bayreuth um. Wenn, wie wir bislang annahmen die Grenzsteinsetzung der BO-BC-Grenzsteine 1753 gewesen sein soll, dann ergibt das vor dem Hintergrund der nun gefundenen Grenzsteine und dem Umstand der Hauptstadtverlegung keinen Sinn mehr.

BILD: Grenzstein BO-BC-1753-040, der wohl aus dem Langenzenner Bereich nach Burghausen/ Gde. Windelsbach versetzt worden ist


Eine Grenzsteinsetzung unter Nutzung eines alten Namens "Culmbach" ist nach 1604 abwegig. Dies um so mehr, als es de facto Grenzsteine mit dem "B" für Bayreuth gibt.


Als einzig logische Schlussfolgerung bleibt nur, dass die BO-BC-Grenzsteine wesentlich älter sein müssen, als dies ursprünglich angenommen worden ist.


Es ist in jedem Fall von einer Setzung vor 1604 auszugehen.


Nach dem aktuellen Recherchestand gab es drei essentielle Zeitpunkte, die die Grenzen im Burggraftum Nürnberg, aus dem die Markgraftümer Ansbach und Bayreuth-Kulmbach hervorgingen, veränderten:


  • 1486 nach dem Tod von Markgraf Albrecht Achilles, als die Dispositio Achillea (=Testament von Markgraf Albrecht Achilles) in Kraft trat und die Markgraftümer Ansbach und Kulmbach gegründet waren

  • 1541 der Regensburger Teilungsvertrag, der u.a. die Grenzen der Markgraftümer zueinander betraf

  • 1752/1753 als im Rahmen eines Vergleichs die Grenzen zum Wohle des Hauses Brandenburg neu geregelt worden sind, um beiden Markgraftümern eine ausgeglichenere wirtschaftliche Position zu geben.


Mit diesen Fakten drängt sich nun die These auf, dass die BO-BC-Steine aus aus dem Regensburger Teilungsvertrag 1541 resultieren könnten.


Dies zugrundegelegt würde die ursprünglich angenommene Setzungsdatierung deutlich verändern. LINK: https://de.wikipedia.org/wiki/Regensburger_Teilungsvertrag


Als weitere Konsequenz wäre dann zu unterstellen, dass die B-O-Steine, die sich im Bereich Münchzell befinden, wohl dann diejenigen von 1753 sein könnten.



Wir werden diesen Fragen nun intensiv nachgehen und suchen in den vorhandenen, wenn auch spärlichen Archivalien, sowie weiter im Gelände der Grenzsteine nach Antworten.





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